SGAG-Preis / Prix SSGA
Samuel Wiesmann: Smart Legend - Aufbau und Interaktivität digitaler Kartenlegenden
(Zusammenfassung der Diplomarbeit)
Problemstellung
Ein zentrales Element jeder Karte konnte mit der rasanten Entwicklung der Visualisierung räumlicher Informationen nicht Schritt halten: die Kartenlegende. Eigentlich erstaunlich, ist doch mit dem häufig gebrauchten Begriff "Zeichenschlüssel" deren Wichtigkeit ausgedrückt: der Schlüssel zur Karte. Oft fehlt die Legende aber gänzlich oder sie ist nur schwer zugänglich. Und wenn vorhanden, dann wird sie meist als "starres Bild" gehandhabt, obwohl doch allgemein die Interaktionsmöglichkeiten am Computer als gewinnbringend anerkannt und inzwischen bei vielen digitalen Karten auch mit Erfolg eingesetzt werden. Die Diplomarbeit von Samuel Wiesmann hat sich diesem Defizit beschäftigt. Insbesondere sollten nutzerzentrierte Interaktionen für die Legende erarbeitet und umgesetzt werden, so dass ein Mehrwert für digitale Legenden gegenüber Papierlegenden entsteht. Diese Interaktionsmöglichkeiten sollen dem Kartennutzer die Aufnahme und Auswertung der in der Karte wiedergegebenen Information erleichtern. Durch experimentelles Evaluieren verschiedener interaktiver Legenden sollten Erkenntnisse gewonnen werden, wie eine Legende umgesetzt werden könnte. Und zu guter Letzt sollte die Arbeit auch dazu anregen, sich um eine Verbesserung des zentralen Bedienelementes "Kartenlegende" zu bemühen.

SmartLegend mit einfachen Funktionen. Die Kategorie "Biosphere reserves" ist im aktuellen Ausschnitt nicht vorhanden und deshalb "gedimmt". Die Kategorie "Mire landscapes" wurde vom Nutzer ausgeblendet und deren Farbe wird deshalb nicht erklärt.
Vorgehen
In einer ersten Phase wurden Prototypen erstellt und den 40 Probanden
verschiedene Umsetzungsvarianten zu spezifischen Problemen, wie sie bei
der Gestaltung der Legende auftreten können, vorgeführt. Jede
Variante wurde einzeln beurteilt. Basierend auf den Ergebnissen eine
zweite Befragungsrunde aufgebaut. Zwei Iterationen erlaubten es, die
statistisch signifikant besser beurteilten Lösungsvarianten zu
ermitteln. Es ergabt sich daraus ein Bild, in welche Richtung sich
Legenden gestalten und entwickeln lassen, unter der Berücksichtigung
der Perspektive der Nutzer.
Zum Schluss wurde ein funktionsfähiger Prototyp implementiert. Er
dient in erster Linie zur Illustration der Umfrageergebnisse sowie zur
Funktionskontrolle, ob die Umfrageergebnisse miteinander vereinbar sind.
Ergebnisse
Die so entstandene Legende ist ausblendbar, damit möglichst viel Platz für die Karte zur Verfügung steht. Sie ist mit diversen Funktionen hinterlegt, welche die Hauptaufgabe der Legende als Schlüssel zur Karteninformation erleichtern. So können die verschiedenen Ebenen direkt in der Legende ein- und ausgeblendet werden, was das Analysieren der Karteninformation bereits vereinfacht. Elemente der Basiskarte, die hauptsächlich der Orientierung dienen, werden aus der Legende gelöscht, wenn sie nicht im Kartenausschnitt vorkommen. Elemente des Themas werden in jedem Fall angezeigt, jedoch treten diejenigen in den Hintergrund, die auf der Karte nicht sichtbar sind.
Es wurde ebenfalls ein sogenanntes "bidirektionales Hervorheben" integriert. Das heisst, dass einerseits der Legendeneintrag hervorgehoben wird, wenn ein Element dieser Kategorie in der Karte überfahren wird, andererseits beim Überfahren einer Kategorie in der Legende die zugehörigen Elemente in der Karte hervorgehoben werden. So ist eine Zuordnung zur richtigen Kategorie gewährleistet, auch wenn z.B. die Farben nicht klar unterscheidbar sind.
Die Legende sollte gemäss den Umfragen auch erweiterte Funktionen übernehmen können. Diese sollen aber die einfache Legende nicht ersetzen, sondern separat zur Verfügung stehen. ("Tools" in Abb. 2) Die zusätzlichen Funktionen können über das blosse Erklären der Farben und Symbole hinaus gehen. Zum Beispiel kann der Nutzer die Farbe der selektierten Kategorie anpassen.

Legende mit erweiterten Funktionen: die Farbe der selektierten Kategorie ("Federal game reserves") kann angepasst werden. Diese Funktionen sind über den Knopf "Tools" zugänglich.
Schlussfolgerungen
Trotz allen Möglichkeiten, die die heutigen Techniken zulassen, sollte aber darauf geachtet werden, dass es die Karte an sich bleibt, die im Zentrum steht. Mit der Arbeit sollte auf die Wichtigkeit der Legende aufmerksam gemacht werden und dazu angeregt werden, die Fortschritte der Technik auch für die Weiterentwicklung dieses zentralen Elementes zu nutzen.
