SGAG-Preis / Prix SSGA
Andrea Ryffel: Der Knochenbrecher kehrt zurück. Charakterisierung und Modellierung von Bartgeier-Lebensräumen in den Schweizer Alpen
(Zusammenfassung der Diplomarbeit)
Problemstellung
Der Bartgeier gypaetus barbatus ist einer der grössten Raubvögel der Alten Welt. Er ist in Europa, Afrika und Asien heimisch. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er im Alpenraum ausgerottet. Seit 1987 werden im Rahmen eines internationalen Wiederansiedlungsprojektes in den Alpenländern wieder Bartgeier ausgesetzt. Für die Freilassungen in der Schweiz ist es wichtig zu wissen, wo es im Schweizer Alpenraum heute noch geeignete Lebensräume gibt.

Historische Karte der Bartgeierverbreitung im 16. bis 19. Jahrhundert nach Studer und Fatio (1889).
Vorgehen und Ergebnisse
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde das Verbreitungspotenzial des Bartgeiers mit einer flächendeckenden rasterbasierten Habitatanalyse untersucht. Die Anforderungen des Bartgeiers an seinen Lebensraum wurden basierend auf Literatur und Expertenwissen charakterisiert und parametrisiert. Nistplätze und Habitate wurden als zwei verschiedene Aspekte betrachtet und getrennt untersucht.

Kartenausschnitt mit den modellierten Habitatspotentialen.
Für beide Aspekte wurde eine Multicriteria Evaluation durchgeführt.
Das Nistplatzpotenzial wurde basierend auf Umwelt-Eignungsfaktoren
(Kriterien Gestein, Höhe, Exposition, Reliefenergie) und
anthropogenen Störfaktoren (Tourismus, Anlagen, Lärm,
Flugverkehr) ermittelt. Nahrungspotenzial (Vegetation, Hangneigung) und
Intensität anthropogener Nutzung (Höhe) bildeten die Grundlagen
für die Modellierung des Habitatpotenzials. Die Ergebnisse beider
Modellierungen wurden in einer Eignungskarte kombiniert visualisiert. Die
Validierung erfolgte durch Expertenbefragungen und durch den Vergleich mit
aktuellen Beobachtungsdaten und historischen Quellen.
Die Modellierungsergebnisse können als 3D-Darstellung visualisiert
und anhand eines Beispiels mit der Realität verglichen werden.


Synthese von Nistplatzmodell und Habitatmodell im Gebiet des Mürtschenstocks beim Kerenzerberg (GL) als Rasterkarte und in 3D. Die blau eingefärbten Flächen zeigen das Nistplatzpotenzial (je dunkler, desto besser geeignet), die orange eingefärbten Flächen zeigen das Habitatpotenzial (je dunkler, desto besser geeignet).
Schlussfolgerungen
Es zeigte sich, dass die getrennte Untersuchung von Nistplatzpotenzial und Habitatpotenzial und die kombinierte Betrachtung der Ergebnisse eine aussagekräftige Analyse der heutigen potenziellen Verbreitung des Bartgeiers in der Schweiz ermöglichen und dass die Ergebnisse der Studie als Grundlage für die Evaluation neuer Freilassungsplätze verwendet werden können.
