SGAG-Preis / Prix SSGA
Roger Keller: Nachhaltigkeit bei Sportgrossveranstaltungen - Die
Fussballeuropameisterschaft EURO 2008 im Vergleich.
(Zusammenfassung der Masterarbeit, Universität Zürich)
Problemstellung und Zielsetzung
Insgesamt sind sehr viele Anforderungen und Hoffnungen mit der
Durchführung von Sportgrossveranstaltungen verbunden (Spektakel für
Zuschauerinnen, positive wirtschaftliche Effekte etc.). Daneben gibt es
aber auch Risiken und Ängste die im Zusammenhang mit solchen
Veranstaltungen stehen (Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes,
Anreiseverkehr, Abfälle etc.).

Der vom Bund erstellte Nachhaltigkeitsbericht zur EURO 2008.
Die Masterarbeit untersucht die Bedeutung der Nachhaltigkeit bei den
vier Fallbeispielen Alpine Skiweltmeisterschaft 2003 in St.
Moritz, Fussballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, Olympische
Sommerspiele 2012 in London und als umfassendstes Fallbeispiel die
Fussballeuropameisterschaft EURO 2008 in Österreich und der Schweiz:
Die Umsetzung des von den beiden Austragungsländern erarbeiteten
Nachhaltigkeitskonzepts wird evaluiert und im Vergleich mit anderen
Fallbeispielen beurteilt. Zudem wird eine Definition von
'Nachhaltigkeit' für Sportgrossveranstaltungen erstellt.
Methoden
Zur Erarbeitung der Resultate wird eine Methodentriangulation
bestehend aus Literaturrecherche, sieben Expertinnen- und
Experteninterviews sowie Beobachtungen angewandt.

Bildliche Veranschaulichung der Dimensionen von Nachhaltigkeit.
Ergebnisse
Das Thema Nachhaltigkeit wurde bei allen vier Fallbeispielen von den
jeweiligen Austragungsorten aufgegriffen und mit entsprechenden
Massnahmen umgesetzt. Die Rolle der verantwortlichen Sportverbände war
gesamthaft gesehen passiv, insbesondere was den Bereich Umwelt
anbelangt. Das IOC ist bereits relativ stark sensibilisiert, die
anderen Sportverbände messen dem Umweltschutz bis anhin kaum eine
Bedeutung zu. Die Austragungsländer der EURO 2008 konnten erstmals für
eine Fussballgrossveranstaltung ein integriertes
Nachhaltigkeitsmanagement entwickeln und umsetzen. Bei der Wahl der
Massnahmen zeichnete sich die EURO 2008 nicht mit grossen Innovationen
aus, jedoch konnte dank dem Kombiticket und dem sehr gut ausgebauten
Verkehrsnetz ein überaus hoher Anteil an öffentlichem Verkehr erreicht
werden. Eine langfristige Wirkung der EURO 2008 könnte die Entwicklung
von standardisierten Richtlinien für Grossveranstaltungen sein, die
durch die Austragungsländer Österreich und Schweiz angeregt wurde.
Solche Richtlinien können den Organisatoren von Grossveranstaltungen
dazu dienen, die wichtigsten Themen in Bezug auf die Nachhaltige
Entwicklung zu berücksichtigen.
Schlussfolgerungen
Als Fazit dieser Arbeit wurde eine Definition von Nachhaltigkeit bei
Sportgrossveranstaltung erarbeitet, die sich an den Dimensionen Umwelt,
Wirtschaft und Gesellschaft orientiert. Sie berücksichtigt die
Interessen der Austragungsorte und Sportverbände, aber auch der lokalen
Bevölkerung, Nicht-Regierungsorganisationen und Fachpersonen. Gemeinsam
sollen längerfristige Massnahmen umgesetzt werden um die Wirtschaft zu
stärken, die natürliche Umwelt zu schützen und den gesellschaftlichen
Zusammenhalt zu stärken.