SGAG-Preis / Prix SSGA

Mirjam Stähli: "Poverty Reduction Strategy Papers (PRSPs)": Globale Standardisierung der Entwicklung oder Ermöglichung lokaler Initiativen? Potentiale und Grenzen des PRSP-Ansatzes in Bezug auf das Ziel der Armutsbekämpfung.

(Zusammenfassung der Masterarbeit, Universität Zürich)

Problemstellung 

Gegenstand dieser Masterarbeit ist eine kritische Analyse des Entwicklungsinstrumentes Poverty Reduction Strategy Papers (PRSPs) anhand der beiden Fallbeispiele Honduras und Pakistan.

Im 20. Jahrhundert sind gemäss der Weltbank (2001: 4) zwar Fortschritte hinsichtlich Armutsbekämpfung zu verzeichnen. Aber in Ostasien nahm die Anzahl an Menschen, welche weniger als einen kaufkraftbereinigten Dollar pro Tag zur Verfügung haben, im Zeitraum 1987 bis 1998 von 420 auf 280 Millionen ab. Auch in anderen Regionen der Welt wie Lateinamerika oder Afrika südlich der Sahara ist eine Zunahme der armen Menschen festzustellen. Armut stellt somit nach wie vor ein sehr gravierendes, weltweites Problem dar und die Suche nach Lösungen dazu eine riesige Herausforderung.

Weltkarte mit den Fallstudienländern Honduras, Pakistan

 Die beiden Fallbeispiele Honduras und Pakistan

PRSP

Das Erstellen eines PRSPs bildet im Rahmen der Heavily Indebted Poor Countries Initiative II die Basis, damit ein Land ein Darlehen und/oder Schuldenerlass von der Weltbank und/oder dem Internationalen Währungsfonds (IWF) erhält. Ein PRSP beschreibt die makroökonomischen, strukturellen und sozialen Massnahmen, welche von einem Land über mehrere Jahre verfolgt werden sollen um das Wachstum zu fördern und die Armut zu reduzieren, sowie die dazu benötigten externen finanziellen Mittel. Durch die grosse Macht der beiden internationalen Finanzinstitutionen IWF und Weltbank kommt deren Konzepten eine hohe Bedeutung in der Entwicklungspolitik zu. Befürworterinnen und Befürworter sehen die PRSPs als Möglichkeit der partizipativen Planung in einem Land, Kritikerinnen und Kritiker sehen darin eine Standardisierung von Entwicklung und die Stärkung der Dominanz internationaler Organisationen.

Vorgehen und Ergebnisse

Schule in Soomro, Akhtar (Pakistan)

Schule in Soomro, Akhtar (Pakistan, 2008): Bildung für alle bis 2015?

Im Zentrum der Analyse des Entwicklungsinstrumentes PRSP steht dabei die Frage nach den Potentialen und Grenzen des PRSP-Ansatzes in Bezug auf das Ziel der Armutsbekämpfung. Sowohl die PRSP-Dokumente als auch der Prozess, welcher zu ihrer Entstehung geführt hat, weisen in den beiden Fallbeispielen Honduras und Pakistan sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten auf. Dabei sind die als negativ klassifizierten Aussagen im Fallbeispiel Pakistan im Vergleich zu Honduras in ausgeprägterer Art und Weise zu verzeichnen. Die Zivilgesellschaft wird in beiden Ländern vom Entscheidungsfindungsprozess bei der PRSP-Ausarbeitung ausgeschlossen und verfügt daher über einen sehr geringen Einfluss. Dennoch zeigt sich im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse, dass bei beiden Fallbeispielen in den PRSP-Dokumenten Inhalte dargelegt werden, welche sowohl auf die Bedürfnisse armer Menschen ausgelegt sind, als auch solche, von denen gesagt werden kann, dass sie die Interessen mächtiger internationaler Akteure wie dem IWF und der Weltbank widerspiegeln. Des Weiteren werden Grenzen bei der Umsetzung sichtbar, etwa durch mangelnde Kapazität der Regierung oder der zivilgesellschaftlichen Organisationen, wobei letzteres vor allem auf Pakistan zutrifft. In beiden Ländern werden Potentiale des PRSP-Ansatzes ausgemacht. Hierzu gehören zum Beispiel in Honduras das in der Bevölkerung zunehmende Bewusstsein für Partizipation und das Recht auf Mitsprache oder das Stattfinden einer Diskussion über Armutsbekämpfung. In Pakistan werden zu den Potentialen die durch den PRSP-Ansatz möglichen Fortschritte bei der Geberkoordination oder das intersektorelle Arbeiten bei der Gestaltung politischer Programme und Strategien genannt.

Fazit

Ein Ansatz wie das PRSP ist nicht statisch, was beinhaltet, dass die festgestellten Defizite veränderbar sind. Dafür ist aber der Wille aller beteiligten Akteure – insbesondere des IWFs und der Weltbank – notwendig. In welche Richtung sich der PRSP-Ansatz langfristig entwickeln wird und welche Relevanz PRSPs bei der Armutsbekämpfung erhalten, muss sich nun langfristig noch weisen. 

Stand 18. 3. 2011

Schweizerische Gesellschaft für Angewandte Geographie (SGAG)
Société Suisse de Géographie Appliquée (SSGA)

Das Logo der SGAG